Ein Tag im Leben des bugaj

Zwischen Schlafen und Wachen gibt es die besten Ideen


Kann nicht sein. Doch. Piep. Piep. Es ist 6:30 Uhr. Die halbe Stadt ist schon auf den Beinen. Aus dem Radio begrüßt mich Kollege Stefan Naas mit dem Neuesten aus der Duisburger Region. Ich mag Radio um diese Zeit. Man ist nicht alleine zwischen Nacht und Tag und es entstehen oft eine Menge Ideen. Mit dem ersten Kaffee. Was da im Kopf passiert, weiß ich nicht. Die Ruhe in der Küche, die Dusche, der Blick auf die Wetter-App – sie sorgen dafür, dass es „Heureka“ macht, und auf einmal ist sie da, die Idee für das Broschüren-Cover. Ich mache mir Notizen. Kollege Roland Geisheimer meldet sich per Telefon, dass er heute ein spontanes Shooting mit dem Ruhrschäfer auf dessen Weide macht. Sehr schön, die Fotos brauchen wir bald. Gegen Mittag könnte ich dann eine kleine Facebook- und Twitter-Meldung samt Schnappschuss davon machen.


Bevor die Küche zum Büro wird, mache ich mich lieber auf. Ein toller Spätsommermorgen. Ich nehme das Rad und genieße den Weg an der Mündung von Ruhr und Rhein-Herne-Kanal entlang. Dort entsteht das Foto oben auf der Seite. Ein schöner Arbeitsweg.


Im Büro fällt mein Blick auf die einzige Uhr außerhalb von Rechner, Handy & Co. „Ach ja, die Batterie ist leer.“ Mache ich später. Check auf dem Handy: Es ist 8:45 Uhr. Was jetzt passiert, ist nicht viel anders als in anderen Büros. Rechner an, Fenster auf, Kaffee, Brot, Wasser, Fisherman. E-Mails lesen, AB, Facebook, Google+ und Twitter checken. Typografie.info fragt mich, wie ich das neue Yahoo-Logo finde. Ich denke: „Back to Word-Art?“ Egal, die Aufregung bei Relaunches ist immer sehr groß. Warten wir es ab. Dann Musik an: oft Radio, die Abwechslung ist toll, dazu Nachrichten. Zum konzentrierten Arbeiten wird´s jedoch meist elektronisch, heute entscheide ich mich für Schiller.


Ich rufe Jörg bei Basis Druck an. Ich brauche zum Vergleich die geplante Broschüre doch nochmal mit Umschlag, die 16 Seiten reichen wahrscheinlich nicht. Wir reden kurz darüber, warum das Munken Polar so unverschämt teuer ist. 10 Minuten später liegt das Angebot schon auf meinem Tisch. Der Preisunterschied ist ok, ob der Kunde einverstanden ist, kläre ich morgen. Nach der Überarbeitung des Seitenspiegels und der groben Korrektur einiger Seiten bin ich sicher, dass die 4 zusätzlichen Seiten notwendig sein werden, um die tollen Fotos, die für dieses Projekt entstanden sind, auch großflächig unterbringen zu können. Die Argumentation ist eigentlich recht einfach: Wenn man schon Geld für ein Shooting in die Hand nimmt, das so viele schöne Fotos hervorbringt, dann sollte es am Ende an 250,00 Euro Mehrkosten für den Umschlag nicht scheitern.


Mir fällt auf, dass das Telefon heute erstaunlich ruhig ist. Ich freue mich darüber, denn so kann ich die Zeit nutzen, um einiges abzuarbeiten. Mittlerweile ist die Post da. Ich nutze den Gang zum Briefkasten, um kurz in die Sonne zu gucken. Das erwartete Papiermuster ist eingetroffen. Steinpapier eines Onliners. Druckerkollegen haben mich skeptisch angesehen, als ich ihnen davon erzählte. Zu Recht, ich bin enttäuscht. „Steinpapier fühlt sich an, als wäre es aus Samt und Seide gemacht“, sagt der Onliner. Nun ja, ab ins Regal damit. In Sachen Umweltschutz bleibe ich doch lieber bei FSC, Blauem Engel und Klimaneutralität.


Schiller läuft immer noch, prima, die beste Grundlage, um die Ideen von heute Morgen zu testen. Da klingelt das Telefon. Ein Kunde möchte noch Korrekturen an seinem Flyer, bevor er die Freigabe erteilt. Es sind nur wenige Textänderungen. Trotzdem verrutscht ein Absatz, ich mache einen Gegenvorschlag. Der Kunde ist einverstanden, dann ab damit an meine Lektorin Mechthilde Vahsen, Mecki genannt, ins Korrektorat. Ein weiterer Anruf, meine Urlaubsvertretung hat noch eine Rückfrage, damit sie ihre Rechnung schreiben kann. Wir plaudern ein bisschen über laufende und hoffentlich kommende Aufträge, das Wetter darf natürlich nicht fehlen.


Ich mache mich an die Umsetzung der Ideen und sichte Fotos. „Da war doch eins mit einem etwas anderen Aufbau.“ Denn den benötige ich für die Platzierung der Titel-Teaser. Schillers „Ruhe“ beginnt, passt doch! Nein! Telefon! Mecki ist dran und will kurz über einen Job reden, weil sie heute Nachmittag einen Termin mit der Kundin hat. Das könnte ein schönes Buchprojekt werden. Wir klären gestalterische Ideen und sprechen grob über Produktionskosten. Die Sonne scheint auch in Düsseldorf.

Per E-Mail erreichen mich die ersten Bilder vom Waldteich in Oberhausen. Der Ruhrschäfer posiert mit seinen Hüte-Hunden. Die Ruhrschäferei ist ein Projekt eines guten Freundes, das ich pro bono unterstütze. Wir stecken mitten in der Entwicklung des Auftritts, damit geht es nächste Woche weiter. Ein Foto geht trotzdem schnell in die sozialen Netzwerke.


Ein Blick auf die Uhr erklärt das Knurren. Ich mache doch erst Mittag, passt gerade gut. Die Suppe von gestern schmeckt heute noch besser.


Ich wechsele die Musik, bleibe aber elektronisch: Kruder & Dorfmeister sollen mir helfen, das Broschüren-Cover so hinzubekommen, wie ich mir das vorstelle. Es kommt, wie es kommen soll: Ein komplettes Album lang vergnüge ich mich mit InDesign. Ich laufe viel herum, wie immer beim Entwickeln, stehe vor dem Bildschirm, nah dran, weiter weg, mache Ausdrucke und korrigiere – perfekt. Ein letzter Ausdruck und die Besprechung kann kommen. Nur ein kurzer Anruf hat das unterbrochen, mein Buchhalter hat mir einen Termin für Montag bestätigt.


Zum Nachmittagskaffee ist der korrigierte Flyer da. Ich mache die Reinzeichung, beantworte ein paar E-Mails, schreibe ein Angebot. Die Vorstufe der Druckerei meldet sich und bittet um Freigabe. Die gibt es postwendend. Die Musik ist eine andere geworden: Felix Meyer. Es stehen einige mechanische Arbeiten an (u.  a. die August-Buchhaltung), da ist auch Platz für „Songtexte hören“.


Wow! Heute mal pünktlich Feierabend. Das ist nicht immer so. Aber ich will nicht auf dem üblichen Spruch „In der Medienbranche sind ständig Überstunden angesagt“ herumreiten. Überstunden gibt es in anderen Branchen auch. Und wenn sie notwendig sind, dann mache ich sie. Ab auf´s Fahrrad, ausnahmsweise mal kein Sport – Sonne und Schweinehund haben gewonnen. Den Abend verbringe ich lieber auf dem Balkon. Arbeit nehme ich mit, im Kopf, wie so oft. Die Ruhrschäferei  bekommt bald die Schafe und benötigt ihr endgültiges Corporate Design. Mal schauen, was mir dazu zwischen Wachen und Schlafen und Schlafen und Wachen einfällt …